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TEMPO GIUSTO

Thomas Jahn und seine Komposition "Tempo giusto"

(Interview erschienen in "Impulse", Ausgabe Nr. 7, Mai 2004 der "kammermusik heute e.V.", Interviewer: Stefan Schäfer. Das Interview ist gekürzt)

Sie haben u.a. bei Hans Werner Henze studiert und mit ihm beim Aufbau des Festivals "Cantiere Internazionale d`Arte" in Montepulciano zusammengearbeitet. Sie kennen Henze seit vielen Jahren und sind ihm freundschaftlich verbunden. Der Untertitek von Tempo giusto - Musik zu einer choreographischen Imagination - erinnert an einige Kompositionen Henzes. Welchen Einfluss hat Henze auf Ihre kompositorische Arbeit?

Sie spielen mit Recht auf eine Komposition wie zum Beispiel "El Rey de Harlem - Imaginäres Theater für..." von Henze an.
Die Zusammenarbeit mit ihm gehört zu den prägenden Eindrücken meines Lebens. Das lag an den Umständen. Die Mitarbeit fand in einer Zeit statt, in der ich als Lernender auf ihn als einen ebenfalls Lernenden traf. Wir waren sozusagen beide "Auf Fortbildung". Er hatte das Cantiere ins Leben gerufen, und er hatte so etwas niemals vorher gemacht. So erlebte ich einen Menschen, der ein Wagnis ohne Netz und doppelten Boden unternahm. Er hatte einen Traum, und unentwegt ohrfeigte ihn die Realität, aber mit, wie soll ich sagen, machiavelli-scher Verbissenheit setzte er diesen Traum um. So nahm ich teil an einem Prozess, in dem der Lehrer zugleich als Starker und Schwacher auftrat. Wie ehrlich. Einen ganz Starken in seinen ganzen Schwächen zu erleben ist der beste Kompositions-und Lebensunterricht, den man sich vorstellen kann.

Was verbirgt sich hinter dem Titel Ihrer neuesten Komposition "Tempo giusto" ?

Ach, dieses "Tempo giusto" ...Odysseen...Als ich 2000 zusagte, ein Stück zu schreiben, war schöpferisch gesehen mal wieder rabenschwarze Nacht bei mir. Burn out. Auf die liebe Seele wirkt das wie Langzeitarbeitslosigkeit.
Damals beschäftigte ich mich mit der Sonata da Camera und der Sonata da Chiesa, die Kinder der Suite, also Tanzmusik, waren. Wie verständigten sich die Musiker, die allesamt Tanzmusiker waren, über das Tempo dieser neuen Kammermusiken? Aus der Struktur der Partituren erkannten sie die dahinter schlummernden Tänze wie Allemanda, Sarabanda, Giga etc. und spielten sie im "richtigen Tempo". Das ensemble acht sind für mich Nachfahren dieser Tanzmusiker.
Ich hatte mir zum ersten Mal vorgenommen, den Entstehungsprozess in Arbeitsberichten, den sogenannten "rudiments", Tagebüchern und Korrespondenzen mit mir damals nahestehenden Personen zu dokumentieren. Welche Einflüsse tragen dazu bei, das burn-out-Syndrom zu überwinden, damit ich wieder lichterloh für die Musik brennen kann? Ein mir Vertrauter wies mich mit feinster Ironie darauf hin, dass auch E.T.A. Hoffmannsche Figuren wie Olympia, Antonia oder gar Giulietta das ihre dazu beigetragen haben. Vor Ironie geh` ich ins Knie. Wie auch, dieser Prozess wurde für mich das Programm einer imaginären Choreographie, zu der ich die Musik schrieb.
Mir ist der Gedanke sympathisch, dass das Ensemble sich in einer Art work in progress die einzelnen Teile erarbeitet. Nicht anders ist das Stück über einen langen Zeitraum entstanden.
Ein Gedanke zur Ökonomie der Komposition. Früher fragten mich die Leute, woher ich in meinen Stücken die vielen Noten nehmen würde. In der Tat, ich war unglaublich verschwenderisch mit den musikalischen Affekten, sozusagen barock. "Tempo giusto" ist ganz anders. Jede Note ist wie der Groschen, den man dreimal umdreht, bevor man ihn ausgibt. Das Detail wird wichtiger als das Ganze. Darin liegt die Power. Das Ganze ist immer eine Angelegenheit des Referierens, das Detail eine des Erlebten.

Mehr Infos: BÜHNENMUSIK "Tempo Guisto"
Mehr Infos: ENSEMBLE "Tempo Guisto"



 
       
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